Nephrologin und werdende Mutter: (K)ein Grund für ein Beschäftigungsverbot?

Shownotes

Ein Gespräch mit Dr. Nina Görlich, Charité, Berlin

In dieser Episode von Niere2go begrüßen wir Dr. Nina Görlich, Ärztin in Weiterbildung an der Charité Berlin, die sich derzeit im neunten Monat ihrer Schwangerschaft befindet. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen hat sie einen klinikinternen Leitfaden entwickelt, um das Arbeiten während der Schwangerschaft in der Nephrologie aktiv zu gestalten, statt automatisch in ein betriebliches Beschäftigungsverbot zu gehen. Wir sprechen darüber, warum der Erhalt von Expertise in der Abteilung so wichtig ist und wie individuelle Lösungen – etwa der Fokus auf den doppelt besetzten Frühdienst oder die Rotation in die Sonografie – den klinischen Alltag und die Facharztausbildung sichern können.

Ein zentraler Bestandteil des Gesprächs ist die Erstellung einer sogenannten „Positivliste“, die konkret aufzeigt, welche Tätigkeiten in der Nephrologie, der Dialyse und sogar auf der Intensivstation unter Einhaltung des Mutterschutzgesetzes weiterhin möglich sind. Nina räumt dabei mit Vorurteilen auf: Unter Berücksichtigung von Gefährdungsbeurteilungen und Schutzmaßnahmen sind Aufgaben wie Shuntpunktionen oder Katheteranlagen oft unbedenklicher, als viele denken. Zudem diskutieren wir das Modell des Teilzeitbeschäftigungsverbots, bei dem Kosten zwischen Arbeitgeber und Krankenkasse geteilt werden, um eine flexible Weiterbeschäftigung zu ermöglichen.

Abschließend werfen wir einen Blick auf die strukturellen Herausforderungen und die Zukunft der Nephrologie. Nina betont, wie entscheidend eine ausreichende Personaldecke und sichtbare Vorbilder in Führungspositionen sind, um Schwangerschaft nicht als Belastung für das Team, sondern als normalen Teil der beruflichen Biografie zu etablieren. Die Folge ist ein Plädoyer für mehr Flexibilität und eine offene Kommunikation zwischen werdenden Müttern und Vorgesetzten, um die Vereinbarkeit von Klinikalltag, Forschung und Familie nachhaltig zu verbessern

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